Pinares de Doñana

Naturräume

Mehr als dreihundert Landschaften und Naturschutzgebiete

Naturlandschaft Brazo del Este

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Der Brazo del Este (östlicher Flussarm) war einer der ehemaligen Flussläufe, in den sich der Guadalquivir in seinem Unterlauf teilte. Als er auf die Ebene des Marschlands traf, teilte sich der Guadalquivir in mehrere Arme verschiedener Ausmaße. Die drei größten bildeten gemeinsam den Brazo del Este: der aktuell erhaltene Enmedio, der de la Torre und der Nordwestliche. Einer Reihe von Kanalisierungen beeinflusste den Unterlauf des Guadalquivir und seine Nebenflüsse, sodass sich die Morphologie und hydrologische Funktionsweise des Flusses grundlegend verändert hat. Der nicht vollständig vom Hauptflussbett getrennte Brazo del Este verlor an Relevanz, als er über den sogenannten Canal de los Portugueses kanalisiert wurde und die ehemaligen Mäander des originalen Flussbetts als Anbauflächen genutzt wurden.

Er war somit nicht mehr dem Einfluss der Gezeiten ausgesetzt und wurde ein kontinentalisiertes Marschland, ein Feuchtgebiet, mit Sumpfvegetation und Reisfeldern, das einen idealen Lebensraum für Wasservögel bietet. So unterliegt dieses Feuchtgebiet, in dem sich viele seltene Vogelarten, wie der Purpurreiher, der Braunsichler, das Purpurhuhn und die Marmelente dem Schutzstatut Naturlandschaft, das in dem Gesetz von 1989 über die Liste der Geschützten Naturräume in Andalusien festgelegt ist. Zunächst stand nur ein Abschnitt des Brazo del Este unter Naturschutz, der die Strecke durch die Gemeinden Coria del Río, La Puebla del Río, Utrera und Dos Hermanas umfasste. Im Jahr 2008 wurden die Grenzen des Schutzgebiets jedoch auf die Flussabschnitte erweitert, die durch die Gemeinden Lebrija und Las Cabezas de San Juan laufen.  

Aufgrund seiner erheblichen Bedeutung für Wasservögel wurde diese Naturlandschaft 2002 auch als Besonderes Vogelschutzgebiet (SPA) ausgezeichnet und in die Liste der Ramsar-Konvention für Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung aufgenommen.   

Aus landschaftlicher Sicht steht der Brazo del Este mit seiner flachen, weit überblickbaren typischen Marschlandschaft im Kontrast zu den umliegenden Reisfeldern. Die landwirtschaftliche Nutzung, insbesondere für den Anbau von Reis und die Viehhaltung, die aufgrund der grundlegenden Veränderung des Gebiets auf sehr bestimmte Bereiche beschränkt sind und der Fang von Louisianakrebsen sind die hauptsächlichen wirtschaftlichen Aktivitäten am Brazo del Este.  Der vollkommen flach verlaufende Strom des Brazo del Este umfasst eine Strecke von 39 Kilometern in aufeinanderfolgenden Mäandern (Flussschlingen), die von vielfältigen Wasserpflanzen und Vögeln bevölkert sind. Insbesondere im Sommer bietet die Naturlandschaft ein beeindruckendes Schauspiel, da sie sich in eine Zufluchtsstätte für Arten verwandelt, die aufgrund von schwindenden Wasserreserven aus Doñana hierher übersiedeln.

Der Brazo Este verläuft 9 km durch die Gemeinde Coria del Río an den Landgütern La Compañía und El Conde vorbei, ersteres liegt zwischen dem Fluss Guadalquivir und dem Flussarm Guadaira und das Landgut El Conde zwischen dem Guadaira und dem Flussarm Caño Navarro. 

Am besten gelangt man zum Brazo del Este, indem man den Guadalquivir von der Gemeinde Coria del Río aus mit dem Frachtkahn überquert und danach über die Landstraße SE-3300 auf die SE-3206 bis zur Baumwollentkörnungsfabrik, die circa auf der Höhe des 13. Kilometers dieser Landstraße in Nähe des Caño Navarro liegt, von wo aus man zwei Wege einschlagen kann. Ein Weg führt nach rechts über dieselbe Landstraße bis zum Brazo del Este an seiner Schnittstelle mit dem Fluss Guadaira. Der andere Weg führt weiter geradeaus über den Feldweg Cañada real de los Puntales bis zum Flussarm Caño de la Vera, der in den Brazo del Este fließt.

In dem Flussabschnitt, der durch die Gemeinde Dos Hermanas verläuft, befindet sich das gut erhaltene Gebiet La Hermosilla, welches die Innenseite eines Mäanders umfasst, auf dem Kulturpflanzen angebaut werden. Der Caño de la Vera fließt von Los Palacios durch die Gemeinde Dos Hermanas, kreuzt den Brazo del Este und verläuft in der nördlichen Hälfte von La Hermosilla bis er außerhalb der Grenzen der Naturlandschaft in La Puebla del Río in den Guadalquivir mündet.

Die Gegend ist frei zugänglich und über die Autobahn A-4 in Richtung Cádiz erreichbar. Von der Ausfahrt 549 geht es auf die Landstraße Isla Menor und danach über den Triftweg Cañada real de los Puntales bis zum Caño de la Vera, weiter rechts gelangt man schließlich zum Brazo del Este.

Das Herzstück des Schutzgebiets befindet sich im Gemeindebezirk von Utrera. Der Brazo del Este fließt durch den westlichen Teil dieser Gemeinde an der Grenze zu La Puebla del Río. Der nahgelegenste Ort ist das Dorf Pinzón, das im Rahmen der Agrarkolonisation entstanden ist.

Von Utrera ist es über die Landstraße A-362 in Richtung Los Palacios und Villafranca zu erreichen. Danach auf die Landstraße Chapatales–Pinzón (SE-9020) einbiegen. Sich auf dieser Landstraße halten, bis ein großer Reisspeicher und die Mauer der Portugiesen zu sehen ist, wo sich der Flussarm in viele Mäander teilt und eine Hochstraße parallel zum Fluss verläuft.

In La Puebla del Río umfasst der Brazo del Este Gebiete wie die Isla del Rubio, die Flussschlinge Margazuela, an dem der Fluss am breitesten ist sowie die Flussschlingen La Quintanilla und El Reboso.

Durch die Gemeinde Las Cabezas de San Juan fließt ein kurzer südlicher Abschnitt des Brazo del Este, in der Gegend wo der kanalisierte Fluss Salado de Morón in den Canal de los Portugueses fließt, der seinerseits ein vom Brazo del Este abgezweigter Kanal ist, bevor er in den Guadalquivir mündet.

Die Anfahrt von der Ortschaft Las Cabezas de San Juan erfolgt über die Landstraße SE-691. An der ersten Kreuzung links auf die SE-9017 abbiegen, die hinter der Ortschaft San Leandro bis zum Flusslauf des Brazo del Este führt. Der Zugang erfolgt über einen öffentlichen Weg, der jedoch durch Privatgrundstücke führt.

Der südlichste Abschnitt des Brazo del Este führt durch den Norden der Gemeinde Lebrija an der Grenze zu La Puebla del Río. Dieser Abschnitt des Brazo del Este wurde 2008 als Teil der Naturlandschaft anerkannt, als die Grenzen dieses Schutzgebiets erweitert wurden. Der Abschnitt des Brazo del Este in Lebrija ist die letzte Strecke, bevor er in Rincón del Prado in den Guadalquivir mündet.  Hier gibt es nur vereinzelte Agrarflächen, dafür aber Weideflächen, die für Pferde genutzt werden. In diesem Bereich des Feuchtgebiets, das periodisch überschwemmt wird und seiner näheren Umgebung wachsen die einzigen Eukalyptusbäume dieses Schutzgebiets.

Der Zugang zu dem Gebiet des Brazo del Este ist von Lebrija frei und erfolgt über Zufahrtsstraßen und asphaltierte Feldwege.  Über die Landstraße A-8150, die unasphaltiert bis zu dem Feldweg SE-9013 führt, in den man rechts abbiegt und der parallel zum Guadalquivir verläuft. 

Kategorie
Paraje natural
Ausdehnung
1653.00 Ha
Pflanzenwelt

Es ist ein kurzer, geschlängelter Flussabschnitt mit mehreren Mäandern oder Flussschlingen, die kolmatiert und von Sumpfvegetation, Rohrkolben und Schilfrohr bedeckt sind. Auf der Innenseite dieser Schlingen bilden sich Strände, die mit halophilen Pflanzen, wie Strand-Soden, Pokasträuchern und in den abgelegeneren mit nitrophilen Pflanzen bewachsen sind. Obwohl die Vegetation nicht sehr abwechslungsreich ist, ist sie von großer Bedeutung, da sie aufgrund ihrer Nähe zum Marschland des Guadalquivirs vielen verschiedenen Arten von Wasservögeln als Niststätte und Lebensraum dient. In der Landschaft finden sich auch Tamarisken und Binsen. Bewaldete Flächen sind selten, einige Stellen am Ende des Flusslaufs sind mit Eukalyptusbäumen, Ulmen und Pappeln bewachsen. 

Tierwelt

Die Naturlandschaft Brazo del Este ist ein Paradies für Naturbegeisterte und Vogelfreunde. Ihre strategische Lage zwischen Doñana, dem Marschland und der Lagune Dehesa de Abajo ermöglicht, hier eine Vielzahl von Enten- und Raubvögeln sowie Winter- und Sommerzugvögeln zu sichten. Die Liste der vertretenen Vogelarten ist schier unendlich: Purpurreiher, Stockenten, Spießenten, Löffelenten, Krickenten, Purpurhühner (wahrscheinlich der größte Bestand Europas), Wasserrallen, Tüpfelsumpfhühner, Kleinrallen, Teichrallen, Zwergdommeln, Rallenreiher, Marmelenten (für die der Brazo del Este eine wichtige Niststätte ist), Seidenreiher, Graureiher, Kuhreiher, Weißstörche, Rotmilane, Mäusebussarde, Sumpfohreulen und Rohrweihen. Darüber hinaus kann man hier auch Nachtreiher, hin und wieder Möwen und viele andere Vogelarten beobachten.

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